Marihuana und Arbeitsleid

Oder Ölgeschäfte im Untergrund

Eine steile Treppe führt von der Gasse hinunter in die historische Ölmühle. Tief unter der Altstadt von Gallipoli liegen ausgedehnte Höhlen. Sobald sich die Augen an das Halbdunkel gewöhnt haben, erkennt man mächtige Mahlsteine, die über Querbalken und mit Eselskraft bewegt wurden.

Frankfurter Neue Presse, 6.10.2015
Ölmuseum in Gallipoli – Region Apulien

Hier unten lebten zur Erntezeit der Oliven die Arbeiter: „Von Oktober bis März blieben sie unter Tage”, erklärt der Betreuer der Mühle vom örtlichen Heimatverein. „Das Essen für Mensch und Tier wurde vom darüberliegenden Palazzo Granafei hinuntergelassen. Dazu Marihuana, das die Arbeiter rauchten, um Schmerzen und Stumpfsinn zu ertragen.”

Wie oben
Dieser schwere Malstein wurde von einem Esel oder Maultier gedreht – Tier und Mensch lebten hier 6 Monate in dieser Höhle.

Als wir uns die Eintrittskarten kauften hatten wir keine Vorstellung was uns hier erwartete. Welche enorme Gerüche muss es hier gegeben haben. Das frisch gepresste Olivenöl, die Ausdünstungen von Mensch und Tier. Wo haben sie ihre Notdurft verrichtet? Waren sie Sklaven, weil sie nicht mehr hinaus auf die Oberfläche durften? Wie kam der Esel herunter?

Über Schächte schütteten die Bauern die Oliven hinunter, das gewonnene Öl wurde in unterirdischen Zisternen zwischengelagert, bis es im Frühjahr verpackt und verschifft werden konnte. Von den Häfen Gallipolis ging es in die Welt. Es wurde für die Verarbeitung von Wolle gebraucht. Auch als Lampenöl war das Naturprodukt begehrt, nur ein kleiner Teil diente als Lebensmittel. Das Öl Gallipolis war von besonderer Güte, und so boomte die Hafenstadt im Salento im 17. und 18. Jahrhundert. Die Besitzer der Ölmühlen wurden reich. (Süddeutsche Zeitung, 6.10.2015 – dpa newskanal)

Die Arbeiter, die sich um die Funktion des Schachtes kümmerten, arbeiteten in zwei getrennten Mannschaften, eine ‚unter Tage‘ und eine ‚über Tage‘.
Als Arbeiter begann man praktisch im Oktober, zur Erntezeit,  zu arbeiten und hörte erst im April wieder auf. Die einzige Gelgenheit, aus der Mühle herauszufinden, war das Fest der Unbefleckten Empfängnis. Ein so wichtiger Arbeitsplatz konnte ausserdem nicht unbeaufsichtigt gelassen bleiben. Ein Liter Öl hatte damals den Wert von einem Monat Arbeit. Ein Großteil davon wurde nach ganz Europa exportiert. Das Öl wurde hauptsächlich zur Verbrennung in Lampen und zur Seifenherstellung benutzt, nur ein kleiner Teil war zum Verzehr bestimmt. Salentonet

Öllampensammlung im Museum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.