Der lange Weg Mattersdorf zu Österreich – der Input

Nach dem Willkommensservice – Elisabeth Luif holte unsere Gruppe am Bahnhof Mattersburg Nord ab – und einer herzlichen Begrüßung mit Kaffee und leckeren Schaumrollen, wird uns der erste inhaltliche Leckerbissen von Georg Luif präsentiert.

Georg Luif – einer der beiden Kurator*innen der Ausstellung zu diesem Thema im 70′ er Haus – präsentiert hier den Input am Beginn der Veranstaltung.

Mattersdorf im Gerangel zwischen Ungarn und Österreich

Die überwiegende Mehrheit der genannten Daten stammen aus dem Vortrag von Georg Luif oder aus der Ausstellungsbroschüre, die sich mit den Verhandlungen zur Zugehörigkeit Deutsch-Westungarns nach dem Zerfall der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn beschäftigt.
Sie ist im September 2020 in Mattersburg erschienen und ist über das „70er Haus der Geschichten“ in Mattersburg, Hintergasse 70, 7210 Mattersburg beziehbar.

Oktober 1918
Am 17. Oktober 1918 verkündet der ehemalige Ministerpräsident Istvàn Tisza im ungarischen Parlament: Wir haben den Krieg verloren.“

Ungarische Revolutionäre am 31. Oktober 1918 (1)

November 1918
Die Regierung Kàroly ruft am 16. November 1918 die Republik Ungarn aus.
Im November 1918 revoltiert auch im Raum Mattersburg die Bevölkerung. Es werden Gemeindeämter gestürmt. Auch Pfarrhöfe werden angegriffen, Vorratslager des Staates geplündert. Es werden eigene „Nationalgarden“ (Nèpörsèg) gegründet, doe für Ordnung sorgen sollen. Der Hauptmann der reserve und Walbersdorfer Ziegeleibesitzer Anton Schreiner übernimmt das Oberkommando über alle Garden des Bezirkes.
Mattersburg
Repräsentatensitzung am 3. November 1918
Bei der Repräsentanten Sitzung am 3. November 1918 meldet der Notär Schwertner, „das Militär strömt von der Front nach Hause und wird daher die Vermögensicherheit sich immer verschlimmern…“. Es wird die Aufstellung einer Bürgerwachebeschlossen. Jeder Mann der Gemeinde von 18-60 Jahren muss derselben beitreten und kann mit Geld nicht abgegolten werden.
Repräsentantensitzung am 10.November 1918
„Notär meldet laut Verordnung der Regierung in eine Nationalgarde gegründet wurde. Die Regierung hat die Gemeinde aufgefordert die Bezahlung der Gardisten vorzustrecken….“ Zur Vorfinanzierung des Gehalts der Garde wird ein Darlehen von 50.000 Kronen bei der Nagymartoner Sparcassa aufgenommen

Dezember 1918
Am 5. und 6. Dezember wird im Raum Deutsch-Westungarn in Mattersburg die selbständige „Republik Heanzenland“ ausgerufen, die jedoch nach kaum 24 Stunden durch militärisches Eingreifen der Honvèd (ungarische Landwehr) ein rasches Ende findet.
Mattersburg
Repräsentantensitzung am 14.Dezember 1918
„Notär liest die Verordnung des Kultusministeriums betreffend der Ausdehnung des deutschen Sprachunterrichtes in der Bürgerschule. Nach kurzer Debatte wurde einstimmig beschlossen, dass tn der hiesigen Bürgerschule mit Rücksicht darauf, dass sämmtliche Kinder deutscher Muttersprache sind, deutsch und ungarisch im gleichen Maase unterrichtet werden soll Die Gemeindrepräsentanz hält sich das Recht vor, den entgültigen Beschluss über die Sprache der Bürgerschule nach den grossen politischen Entscheidungen zu bringen.“

Jänner 1919
Eröffnung der Pariser Friedenskonferenz am 18. Jänner 1919.

Die großen Vier bei der Pariser Friedenskonferenz Georges Clèmenceau, Woodrow Wilson, David Lloyd George, Vittorio Orlando (2)

April 1919
Die Wahl der örtlichen Räte findet von 6. bis 8. April statt. erstmals in der Geschichte Ungarns können Frauen und Männer ab dem 18. Lebensjahr an freien und geheimen Wahlen im unbesetzten Ungarns teilnehmen. Kein Wahlrecht besitzen Geistliche und Personen, die Gewinne durch Lohnarbeit erzielen.

(03)
Nummer 7 – Berczeller Adolf war später Vizepräsident der Burgenländischen Arbeiterkammer

Gründung der sozialistischen Partei Mattersburg am 16. April 1919

Gemeinderatssitzung am 27.April 1919
Konstituierung des Gemeindeverwaltungsrates „Notär als Referent meldet, dass laut Verordnung der Räteregierung der gewählte Gemeinderat verpflichtet ist sich zu konstituieren. Laut dieser Verordnung ist in jeder Gemeinde eine Verwaltungscomision zu wählen, diese Verwaltungscomision kann bestehen aus 3-5 Mitglieder… Nach Kentnisnahme der Refer- ade wurde einstimmig beschlossen, dass die Verwaltungscomision aus fünf Mitgliedern bestehen soll, dieselben sollen geheim gewählt werden. Nach diesem Beschluss ordnet der Präses die Geheimewahl an laut welcher einunddreisig Wahlzettel auf die folgenden Genossen abgegeben wurden: Auf Michael Wilfing 21, Josef Suchard 19, Anton Knoll 16, Franz Koller 15, Kornelius Jakubovich 15, Josef Pauer 14, Michael Sieber 14, Johann Karner 13, Franz Reisner 1,…. Josef Suchard und Michael Sieber danken, resp. nehmen die Wahl nicht an, da sie mit anderen Arbeiten schon überlastet sind. Diese Abdankung nimt der Rat an, deshalb erklärt Mathias Sieber Alters-Präses Michael Wilfing, Anton Knoll, Franz Koller, Kornelius Jakubovich und Josef Pauer als Gewählte der Mattersdorf er Verwaltungscomision. In der Verwaltungskomision wurde mit geheimer Wähl Michael Wilfing als Präses und Josef Pauer als Vizepräses gewählt Nach dieser Wahl nimt Michael Wilfing die Präsesstelle über und in seiner Rede verspricht er, dass er mit seinem besten Wissen und Gewissen die Interessen der Gemeinde und des Proletariats vertreten wird“

Weiters werden eine Baukomision (Mathias Aufner, Anton Knoll, Franz Koller, Mathias Ruppm, Georg Friesenbiller), Emährungkomision (Franz Reisner, Mathias Aufner, Franz Koller, Franz Piller, Georg Friesenbiller), Bodenreformko- mision (Michael Wilfing, Josef Pauer, Stefan Piller) und eine Culturkomision (Kornelius Jakubovich, Michael Posd, Anton Kräftner, Mathias Strodl, Josef Knopf) gewählt Weiters werden in die Bezirks-Verwaltungscomision Josef Suchard, Viktor Kräftner und in die Bezirks-Ernährungscomision Franz Reisner, Anton Kräftner, Franz Leitgeb, Michael Sieber, Franz Koller und Mathias Rupp gewählt. Der Antrag von Josef Suchard, dass der Rat sich der Rothen Armee anschließt und felsenfest zur Räterregierung steht, wird einstimmig angenommen.

Mai 1919
Die Alliierten lehnen den Wunsch des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich endgültig ab.

Zeitung Ödenburger Arbeiterrat vom 17. Mai 1919

Mattersburg

Zeitung Ödenburger Arbeiterrat vom 15. Mai 1919

Juni 1919
Karl Renner und Otto Bauer fordern ein Volksabstimmung in Deutsch-Westungarn bezüglich der Zugehörigkeit zu Ungarn oder Österreich.
Otto Bauer erläutert in der 21 Nationalversammlung weshalb Österreich gegen eine milit. Aktion zur Besetzung Westungarns war.

Mattersburg

Gemeinderatssitzung am 15.Juni 1919
Die Verordnung des Komitates betreffend der Leitung der Gemeindeadministration wird abgelehnt, da die Gemeinde in den deutschen Gau eingeteilt ist. „fordert die Verwaltungskomission auf, dass an den Gau eine Eingabe zu richten, ob diese durch das Komitate herausgegebene Verordnung gutheisen wird und ob die Gemeinde sich nach dem halten soll. Auf Antrag des Politischen​ Josef Suchardwünscht und verlangt der Rat, dass das Komitate aufgelöst und die Gemeinde in den Gau sofort einverleibt werden soll, den so unter den jetzigen Verhältnis weist dei Gemeinde nicht wer der Vorgesetzter ist, kann daher nicht in den Interessen des arbeitenden Volkes wirken. *

Die Kulturkomission stellt betreffend des Religionsunterrichts den Antrag: Da in der ganzen Gemeinde für den Religionsunterricht kein Zimmer oder Lokal vorhanden ist und in der Kirche aus Gesundheitsgründen für die Kinder kein Unterricht stattfinden kann, soll die Religion in der Schule außerhalb des Lehrplan unterrichtet werden. Der Antrag wird einstimmig angenommen und der Beschluss wird dem Gau zur Kenntnisnahme vorgelegt. (beide Absätze – Originaltext)

Juli 1919
Am 3. Juli 1919 schlagen die USA die Übergabe eines großen Teils der Region Deutsch-Westungarn an Österreich vor.

August 1919

September 1919
Annahme des Friedensvertrags durch die deutschösterreichische Nationalversammlung. Unterzeichnung des Friedensvertrags in St. Germain.
Mattersburg
Ausserordentliche Repräsentanten
Sitzung am 2.September 1919 in Mattersdorf
Der Notär meldet, dass sich nach dem Sturz der Räteregierung eine Vereinigung in Mattersburg gebildet hat. Diese Vereinigung wünscht folgende Herren als Kanditaten für die Gemeindevorstehung:
Für die Richterstelle sind Andreas Jeidler, Mathias Koch, Michael Wilfing, für den Vizerichter Michael Koch Gartengasse, Josef Friesenbiller Bachgasse, Josef Sinawatz Forch- tenauerstrasse vorgesehen. Der Vorschlag des Notars auf Grund des allgemeinen Friedens die Kanditatenliste dieser Vereinigung zu akzeptieren, wird einstimmig angenommen. Darüber wird der Oberstuhlrichter verständigt.

Oktober 1919
Oktober Wien. Erklärungen des Staatskanzlers Dr. Renner und des Staatssekretärs Dr. Loewenfeld- Ruß.

… Was Deutschwestimgarn betrifft, so ist zwischen den Parteien Einstimmigkeit in der Richtung erzielt, daß dieses Land als gleichberechtigtes, selbständiges Land neben die übrigen Länder tritt. Die Gründe dafür sind – abgesehen davon, daß eine Rechtsangleichung nur allmählich erfolgen kann – das Vorhandensein slawischer und magyarischer Minderheiten in Westungam, die, wenn dieses Land an Niederösterreich, beziehungsweise Steiermark angeschlossen würde, diese beiden Länder belasten würden. Die Vertrauensmänner Westungarns selbst haben den Wunsch ausgesprochen, daß dieses Land der gleichen Selbstregierung teilhaft werde wie die übrigen Länder Österreichs.

November 1919
Mattersdorf
Repräsentanten Sitzung
am 9.November 1919 in Mattersdorf„Der Notär liest den Bericht über die Kommunisten Zeit vor und beantragt im Namen der Vorstehung denselben anzunehmen und zu bewilligen, dass die Vorstehung an Sowjet Geld Verlust in der Gemeinsamen Gemeinde 3700 Kronen in der Kristengemeinde 15.220 Kr., in der Ernährungscassa 29.820 Kr., in der Gewerbeschulcassa 500 Kr. abschreiben kann. Weiter ersucht er im Nahmen der Vorstehung über den Verlust des H. Mathias Strodl und Josef Bauer zu beschliessen..„Der vorgelesene Bericht wird einstimmig angenommen, die Abschreibung der einzelnen Verluste bewilligt und nach längerer Debatte einstimmig beschlossen, dass der Verlust des H. Mathias Strodl mit 2264 Kr. 54 H. laut Begründung des Berichtes vergütet wird, * und derselbe ist im Nachkassenvoranschlag einzustellen. Der Verlust des H. Josef Bauer wird, – weil bei ihm Requirierung so vorgenommen wurde wie bei den übrigen Besitzern, – nicht vergütet. Dieser Beschluss ist zur allgemeine Kenntnisnahme aufzulegen.

Jänner 1920
Ungarn hat sich mit der Herausgabe Deutsch-Westungarn noch nicht abgefunden.(Bericht von Dr. Renner)

Der Kampf der Republik Österreich um das Burgenland beginnt
Seite 74 bis 78

Juni 1920
Mattersburg
Repräsentanten Sitzung am 26. Juni 1920 in der Gemeinde Mattersdorf
Der Notär meldet, dass zur Durchführung der Verordnung der Nationalminderheiten Z.4644/1919 ist unbedingt notwendig, dass die Amtssprache die Repräsentanz beschliesst. Mit einstimmigen Beschluss wird als Amtssprache die deutsche Sprache festgestellt.


Quellenverzeichnis

  • (1) – Wikipedia – Von hu:User:Mazarin07 – hu:Kép:Oszirozsas forradalmarok.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3507718
  • (2) – Wikipedia – Von Edward N. Jackson (US Army Signal Corps) – U.S. Signal Corps photo, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6037445
  • (3) – Zeitschrift Ödenburger Arbeiterrat