Jüdischer Friedhof Floridsdorf

Der Friedhof liegt an der Ruthnergasse 26 in Floridsdorf

Am Weg zur „Weinenden Brücke“ kamen wir an diesem Friedhof vorbei. Er ist versperrt und deshalb konnten wir nur Fotos von außen machen.
Vermutlich 1876 wurde der Friedhof geplant und errichtet, und war das Anfangsprojekt der Israelitischen Cultusgemeinde Floridsdorf. Am ursprünglich 5.566 m² großen Friedhof fand die erste Beerdigung am 2. Juni 1877 statt. 1881 wird der Friedhof erweitert und 1883 eine Zeremonienhalle errichtet. Die jetzige Tahara Halle baute man im Jahre 1952. Der Friedhof wurde 1978 offiziell geschlossen. Bis heute fanden 1.391 Beerdigungen statt und 1402 Grabstellen gibt es am Friedhof. Neben zahlreichen Angehörigen alter Floridsdorfer Kaufmannsfamilien (darunter Deutsch, Duldner, Grünwald, Pollak, Sinai, Weininger und Wodicka [Kaufhaus Am Spitz] sind auch der „erste jüdische Ansiedler in Floridsdorf“, Elias Wimmer († 23. März 1883), sowie der am 4. Juni 1927 tödlich verunglückte Motorradrennfahrer Hans Grünwald bestattet.

Der Kabarettist Fritz Heller ist hier bestattet. Er spielte mit Farkas im Simpel.

Jahrelang ist es jedoch vor allem privater Initiativen zu verdanken, dass der heute knapp mehr als 2000 m2 große Friedhof sich nicht komplett verfallen präsentiert. Hervorzuheben ist das Engagement des bereits verstorbenen Erich Sinai und seiner

Frau Kitty. Und ein Projekt des Gymnasiums Ödenburgerstraße, Ende der 90er Jahre, arbeitete präzise die Geschichte der jüdischen Gemeinde im 21. Bezirk, so wie alle etwa 90 Gräber auf. Tatjana Tupy war 1996/97 als Schülerin in dem Projekt „Der jüdische Friedhof in Floridsdorf“ unter der Leitung von Prof. J. Schrammel federführend. Unterstützung bekamen die engagierten Jugendlichen von Helfern aus verschiedenen Bereichen. 
Erich Sinai wurde am 15.12.1917 in Floridsdorf geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte und bis 1938 arbeitete. Als die Firma arisiert wurde, wurde er als Jude entlassen. Nach seiner Flucht nach Riga, Sibirien und Kasachstan kehrte Erich Sinai 1947 nach Wien zurück. Er erfuhr von seiner Schwester, die in Theresienstadt überlebte, dass die Mutter und viele seiner Angehörigen ermordet wurden. Sein Vater, die Großeltern und viele seiner Verwandten sind am jüdischen Friedhof begraben.

Besichtigung des Friedhofs

Der Friedhof ist versperrt. Der Schlüssel liegt, gegen vorherige telefonische Anmeldung, für BesucherInnen zur Abholung in der IKG bereit.
Anmeldung in der IKG
Tel. +43 /1/ 53 104 DW 231 – Susanne Hönigl


Quellenverzeichnis