Kampf gegen den Faschismus in Kreta – Teil 1

Napoleon Sukadzidis – Gewerkschafter aus Arkalochori im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur

Aufgabe des wahren Menschen ist es nicht, irgendwie sein Leben zu fristen. Er muß verstehen, es richtig an der Seite der anderen zu leben, um fähig zu sein, ihnen zu helfen, sie höher zu führen, ihnen zu nutzen, ohne ihnen jemals zur Last zu fallen und hinderlich zu sein auf ihrem Weg zum Rechten und Guten. Doch ein Kämpfer ist nicht nur ein wahrer Mensch, sondern auch das leuchtende, geläuterte Bewußtsein, das zum Führer wird. Wenn es sein muß, hart und unerbittlich dem Feind gegenüber, der ein Feind ist und sich der Ungerechtigkeit, die er begeht, bewußt ist“ (Übersetzung gem. Leben auf Widerruf).

Worte von Sukadzidis an die Mitgefangenen im Konzentrationslager Chaidari bei Athen am Vorabend seines Todes. Sukadzidis gehörte zu den 200 politischen Gefangenen des KZ, die am 1. Mai 1944 auf dem Schießstand von Kesariani hingerichtet wurden. Überliefert hat diese Worte ein überlebender Mitgefangener – Themos Kornaros – der ihm und den anderen Häftlingen des KZ mit dem Buch „Ein Leben auf Widerruf“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Wir besuchen den Ort Anfang Februar. Die Tage vorher herrliche Frühlingstemperaturen, die uns den Winter in Österreich vergessen lassen. Heute wollen wir unser geschichtliches Wissen über den Widerstand gegen Faschismus auf Kreta erweitern. In einem kleinen Cafe bei zwei Espressi versuchen wir uns zu orientieren, wie wir die Gedenkstätte finden können. Als wäre es ein Zeichen, während wir zur Gedenkstätte marschieren, beginnt es zu regnen. Sollte der Regen die vielen Tränen symbolisieren, die der brutale Überfall der faschistischen Wehrmacht auf Kreta, kostete.

Wer war Napoleon Sukadzidis?

Hier am Denkmal streckt er die Faust in die Höhe geradezu ein ausdrucksvolles Symbol zum Widerstand gegen den Faschismus und zur Verteidigung der Demokratie.

Er wurde 1909 in Bursa in der heutigen Türkei geboren und zog nach der sogenannten Kleinasiatischen Katastrophe mit seinen Eltern nach Kreta. 
Nach Besuch der höheren Handelsschule in Iraklio arbeitete er dort als Buchhalter und war aktiv in der Gewerkschaftsarbeit. 
Unter der Metaxas-Diktatur wurde Napoleon Sukadzidis verhaftet und auf die abgelegene Insel Agios

Efstratios (Ai Stratis) verbannt, später im Gefängnis Akronafplia gefangengehalten. Von dort wurde er 1943 in das von der SS geleitete Konzentrationslager Chaidari bei Athen verlegt. 

Der kretische Schriftsteller Themos Kornaros (1906 – 1970) schreibt über seine Erlebnisse im KZ, die zur Erschießung Sukadzidis geführt haben.

Wieder mussten Abteilungen der Gefangenen auf dem Hof des Lagers antreten. Diesmal sollten 200 Gefangene zum Erschießen abgeführt werden – als Sühne für die Ermordung des deutschen Generals Molai. 260 Mann waren insgesamt angetreten. 200 sollte es treffen. Radomsky erschien mit der Liste der Todgeweihten und begann, ihre Namen vorzulesen. Aber nun geschah das „Wunder“: Die Häftlinge, die aufgerufen wurden, zeigten keine Anzeichen von Verzweiflung und Todesangst. Mutig und aufrecht traten sie vor und riefen mit lauter und kräftiger Stimmer ihr „Hier!“. In jedem dieser „Hiers!“ habe sich der ganze Zorn, die ganze Wut und der ganze Widerstandsgeist gegen die Besatzer ausgedrückt, schreibt Kornaros. Und jeder der Aufgerufenen drehte sich um und richtete eine kleine Abschiedsansprache an die Kameraden (was ein schwerer Verstoß gegen die Disziplinarordnung war), in der er sie zu Mut und Würde aufrief. Mit einem Hochruf auf Griechenland traten sie zu der Gruppe der Todeskandidaten. Unter den Nicht-Aufgerufenen machte sich Angst breit, aber nicht Angst vor dem nahen Tod: „Die hier sorgen sich nicht, ob sie am Leben bleiben oder nicht. Sie haben Angst vor dem Gedanken, die Ausnahme zu sein, zurückzubleiben.“

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