Studienreise – Die Geschichte der Kärntner Slowen:innen

Die Teilnahme an der Studienreise ist nur für Mitglieder des Verein Rote Spuren.

Unterlagen zum Programm

Stadtrundgang in Völkermarkt (28.5.)

Das oben abgebildete Denkmal wurde ursprünglich hier in St. Ruprecht bei Völkermarkt / Šentrupert pri Velikovcu, von der slowenischen Befreiungsfront das größte Kärntner Partisanendenkmal errichtet und am 26. Oktober 1947 feierlich enthüllt. Anlässlich der Enthüllung sprach der damalige Sekretär des Gebietsausschusses der Befreiungsfront, Karel Prušnik-Gašper; er hielt unter anderem fest: 

„Das Denkmal soll das Symbol eines großen Werks in unserer Geschichte darstellen, eine Mahnung an uns und die folgenden Generationen, dass wir für immer aufgehört haben, Sklaven zu sein. Dieses Denkmal, das wir heute enthüllen, ist ein leuchtender Beweis, dass wir Kärntner Slowenen ein Teil der fortschrittlichen demokratischen Völker geworden sind, nachdem wir 1942 bewusst zu den Waffen gegriffen haben, um gegen die Fremdherrschaft zu kämpfen. Unser Ziel war ein gerechter Frieden, eine gerechte demokratische Ordnung, die völlige Liquidierung des Faschismus. Nie mehr sollte das geschehen, was der gesamten Menschheit so viel Leid gebracht hatte, nie mehr sollte der deutsche Imperialismus die Gelegenheit bekommen, kleinere Völker mit seiner grauenhaften Gewalttätigkeit unterjochen zu können.“

Wegen dieser Rede wurde Karel Prušnik-Gašper zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Zum ersten Mal war er schon vor dem Krieg in Karlau eingesessen, und zwar vom Oktober 1935 bis Juli 1936 wegen des Versuchs, eine illegale slowenische Zeitung herauszugeben; zum zweiten Mal saß er von April bis Juli 1947 in Karlau, und zum dritten Mal eben wegen dieser Rede ab November 1947.

Literarisches Wandern / literarni pohod (29.5.)

Eine Wanderung für Freund:innen feinen Erzählkunst, die sich für die Geschichte des südkärntner Raumes interessieren. Wir wandern auf den realen Spuren des Romans “Engel des Vergessens” von der Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap.

Wir lassen uns auf eine Wanderung ein, die Orte und Worte zitiert, Originalschauplätze und Lebensorte zeigt und ins Innere des Waldes wie der Befindlichkeiten der Kärntner Slowenen führen kann. Wandern und Hören, Lesen und Nachspüren, aber auch sich austauschen über das Erfahrene – das alles hat seinen Platz und nimmt sich seine Zeit bei unseren literarischen Wanderungen. Darum haben wir im Rucksack neben Wasser und Jause eben auch alle Bücher dabei – die Veröffentlichungen der Haderlap-Familie ebenso wie die von Florjan Lipuš, Peter Handke und anderen Autoren.

Hinweise zur Wanderung
Start am Vinklhof ist um 9:30 Uhr
Distanz: 10,5 km
Höhenunterschied: 360 m
Dauer: circa 7 Stunden
Anforderungsprofil: einfach

Vinkel - Hof

Der Vinkl-Hof wird seit Generationen von der Familie Haderlap bewirtschaftet und das Leben hier ist kärntner-slowenisch geprägt. Auf dem Hof blühen neben dem kleinen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb auch Literatur, Kunst und schöpferische Ausdruckskraft.
Früher lebte eine ganze Familie vorwiegend von den Erträgen, die Forst, Land, Garten und Ställe einbrachten. Heute wird der Vinkl-Hof um seiner selbst willen unter den gegebenen kargen Umständen in vierter Generation weiter extensiv bewirtschafte.
Hier kann der Edelbrand “Widerstandsgeist” erworben werden.

Der Bergbauernhof der Familie Sadovnik, der Peršmanhof, war ab 1942 ein wichtiger Stützpunkt der Widerstandsbewegung, die sich von Jugoslawien ausgehend auch in Kärnten stark verbreitet hatte. Kurz vor Kriegsende, am 25. April 1945, verübten Angehörige des SS- und Polizeiregiments 13 ein Massaker am Peršmanhof: Elf Personen, alles Angehörige der Familien Sadovnik und Kogoj, wurden erschossen.

Der Društvo/Verein Peršman wurde 2001 in Klagenfurt gegründet, um die Verdienste des österreichischen, insbesondere des kärntner-slowenischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im öffentlichen Gedächtnis zu fördern und zu seiner wissenschaftlichen Erforschung beizutragen.

Nach dem Rundgang werden wir einen geführten Rundgang durch die Ausstellung für machen.

Am 6. April 1941 überfiel NS-Deutschland ohne Kriegserklärung die Königreiche Jugoslawien und Griechenland sowie Albanien. Um für den deutschen

Vormarsch am Balkan einen raschen und ungehinderten Nachschub an Menschen und Material ganzjährig sicher zu stellen, erhielt der Kärntner SS-Gauleiter Friedrich Rainer im Jahr 1942 den Auftrag aus Berlin, einen 1566 Meter langen Tunnel an der Scheitelstrecke des Loiblpasses errichten zu lassen. Mit der Planung und Durchführung des Bauwerks wurde 1943 die Wiener Universale Hoch- und Tiefbau AG betraut. Die Mehrzahl der Techniker und zivilen Bauarbeiter wurde durch Arbeitsämter auf den Loibl vermittelt, während die KZ-Häftlinge vom KZ-Stammlager Mauthausen unter der Aufsicht von SS-Wachmannschaften die Sklavenarbeit an der Straßenbaustelle und im Tunnel zu verrichten hatten.
Mehr Informationen zu den beiden Gedenkstätten

Die Druckerei ist bekannt und berühmt geworden, weil in ihr zwischen September 1944 und dem Ende des Krieges Partizanski dnevnik – die einzige Tageszeitung der Widerstandsbewegung in Europa – gedruckt wurde.
Der Partisanendruck spielte im Freiheitskampf des slowenischen Volks eine bedeutende Verbindungsrolle. Partisanendruck rief zum bewaffneten Wiederstand gegen die Besatzung auf und war ein Gegengewicht für ausgebreitete feindliche Propaganda. Aus diesem Grund organisierte die slowenische Partisanenführung die Errichtung und den Betrieb von vielen Partisanendruckereien. Der Bedarf nach geschriebenem slowenischem Wort war stark vor allem wegen langjähriger faschistischer Herrschaft und ihrer Ausübung von Ethnozid in der Region von Primorska. Hier wurden schon die ersten illegalen Techniken von Hektographie seit 1941 angewendet. Mit Vervielfältigung von Rundschreiben, Bekanntmachungen, Zeitungen und Radionachrichten informierte die Partisanenführung die Menschen über Geschehnisse zuhause und auch in der Welt. Im Anfang von 1944 entschloss sich die Führung eine größere Druckerei zu gründen in dieser auf einer Druckmaschine schneller, schöner und in größeren Auflagen das ganze benötigte Material zu drucken.

Mehr Informationen zur Partisanendruckerei

Das Partisanenlazarett ist wegen Sturmschäden geschlossen.Wir besuchen im Museum in Cerkno eine Ausstellung dazu.

Buch- und Literaturtipps

  • Jelka aus dem Leben einer Kärtner Partisanin
    Thomas Busch, Brigitte Windhab nach Tonbandaufzeichnungen von Helena Kuchar
    Erschienen 1984, Druck und Verlag A.P.I. CH-4055 Basel, Missionstrasse 35
    Neu aufgelegt Ende 2023, ISBN 3-99138-064-1 oder 978-3-99138-064-1
  • Kärnten – ein Alarmzeichen
    Informations- und Pressedienst der Österr. Widerstandsbewegung (Ö.W.I.P.) Nr. 1/1974
    Erscheinungsort: Wien, F.d.I.v.: Franz Klar, 1010 Wien, Reischbachstr. 3/8a
    Die Broschüre haben wir eingescannt und wir senden sie gerne zu.
  • Mit Vernunft und Ruhe darüber reden: Die Kärntner Ortstafeln
    Die Rede des Bundeskanzlers Dr. Kreisky bei der Konferenz am 28. Oktober 1972 in der Arbeiterkammer Klagenfurt.
    Den Text der Rede haben wir eingescannt und senden sie gerne zu.
  • Bücher gegen das Vergessen
    Kärntnerslowenische Literatur über Widerstand und Verfolgung
    Judith Goetz, Kitab-Verlag Klagenfurt – Wien, 2012, ISBN 978-3-902585-94-3
    Sissi hat uns das Buch leihweise zur Verfügung gestellt.
  • Die Kärntner Partisanen
    Der antifaschistische Widerstand im zweisprachigen Kärnten unter Berücksichtigung des slowenischen und jugoslawischen Widerstandes.
    Marjan Linasi, Mohorjeva, Hermagoras Verlag 2013, ISBN 978-3-7086-0693-4
  • Wenn die Liebe ruht (Roman)
    Drago Jancar, Paul Zsolnay Verlag, 2017, ISBN 978-3-552-05950-4
    Ein Meisterwerk über die Liebe in zeiten des Krieges.
    Hat uns Ingrid zur Verfügung gestellt.
  • Mutters Stimme
    Erzählungen von Elisabeta Sitter, geb. Ogris, 1930 – 2013
    Helga MraCnikar, Mohorjeva Hermagoras, 2024, ISBN 978-3-7086-1294-2
  • Ausgelöschte Namen
    Die Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal
    Bernhard Gitschtaler, Hrsg., Otto Müller Verlag, 2015, ISBN 978-3-7013-1234-4
  • Widerständig
    Peter Kuhar – Erinnerungen aus acht Jahrzehnten
    Verlag Zalozba Drava, 2010, Klagenfurt ISBN 978-3-85435-615-8

Unterlagen zum Downloaden

  • Der Partisanenkrieg in Europa 1939 – 1945
    Heinz Kühnrich, Dietz Verlag, Berlin 1965, dedruckt in der DDR

Ausleuchten dunkler Ecken

Der weibliche Name des Widerstands und ein Bericht über eine Ausstellung in Kärnten können wir nur als Datei zusenden. Ein Bericht in Volksstimme im September 2024.

Der 12. Februar 1934 und sein Widerhall im Bundesland Kärnten
Julia Brandstätter in der Volksstimme Februar 2023

Mit Vernunft und Ruhe darüber reden:
Die Kärntner Ortstafeln

Rede des Bundeskanzlers Dr. Kreisky bei der Konferenz
am 28. Oktober 1972 in der Arbeiterkammer Klagenfurt

Wer gedenkt der Partisaninnen und Partisanen?
Erinnerungsorte in ländlichen Räumen in Kärnten
Jakob Holzer

Die Deportation der Kärtner SlowenInnen 1942
Anton Bergauer im Sozialdemokratischen Kämpfer

Das Gebiet des heutigen Staates Slowenien wurde nach dem Angriff auf Jugoslawien am 6. April 1941 von drei Staaten okkupiert, vom nationalsozialistischen Deutschen Reich, von dem faschistischen Italien und von Ungarn.

Die deutsche Besatzungszone wurde als Zivilverwaltung organisiert und in zwei
Verwaltungseinheiten aufgeteilt: Zum einen war dies das nordwestliche Slowenien
unter dem Namen «Kärnten und Krain» bzw. später «Oberkrain».

Chef der Zivilverwaltung war hier der Reichsstatthalter von Kärnten, Friedrich Rainer, der den Sitz der Zivilverwaltung im November 1941 von Bled (Veldes) nach Klagenfurt verlegte.
Wie bereits erwähnt, begannen die Verfolgung von Personen slowenischer Nationalität und ihre Deportation in deutsche Konzentrationslager bereits vor dem deutschen Überfall auf Jugoslawien im April 1941. Die ersten Slowenen in Mauthausen stammten aus Kärnten, wo die slowenische Minderheit nach dem «Anschluss» Österreichs einem zunehmenden Verfolgungsdruck ausgesetzt war. Der erste Kärntner Slowene in Mauthausen dürfte Anton Klementschnig gewesen sein, der am 9. Mai 1939 in Mauthausen registriert und dort im letzten Drittel des Jahres 1941 gestorben ist. Klementschnig gehörte zu einer von fünf Gruppen Kärntner Slowenen, die als BV-Häftlinge eingeliefert wurden. Die erste größere Gruppe waren schließlich slowenische Spanienkämpfer aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag XII-D in Trier.

Kärntner Slowenen – eine Konfliktgeschichte
Von der Herkunft der zweiten Sprache
Theodor Domej

Keine Frage von Ortstafeln
Mirko Messner

Partisanendenkmäler

Von Jakob Holzer – Uni Bamberg

Link zur Homepage

Friedhof Eisenkappl

Foto: Marian Mickl 2020

Beschreibung lt. Hompage
Auf dem Friedhof von Bad Eisenkappel befindet sich ein Grabdenkmal für den Deserteur und Partisanen Franc Pasterk. Das quaderförmige Grabdenkmal aus Marmor, das der Kärntner Partisanenverband hier errichtete, verbindet personenzentriertes und allgemeines Gedenken an die kärntner-slowenischen Opfer und Partisanen. Auf Letzteres verweist die übergeordnete slowenischsprachige Inschrift: »MOSTOVI RASTO IZ VSEH ČLOVEŠKIH SRC SE PNO IN V VSA SRCA« (Brücken wachsen aus allen Menschenherzen und verbinden sie miteinander), kombiniert mit der namentlichen Nennung von in Konzentrationslagern ermordeten Eisenkapplern und gefallenen Partisanen und Partisaninnen.

Legende, Geschichte, Sage
Dieses Denkmal wurde in den 1950-er Jahren des 20. Jh. im Gedenken an die vielen Opfer des Naziregimes im Raum Eisenkappel errichtet.
Die Brüder Pasterk nehmen im Gedächtnis der Kärntner Slowenen als zentrale Begründer des Kärntner Partisanenkampfes bis heute eine herausragende Position ein, wohingegen die deutschsprachige Mehrheit die kärntner-slowenischen Widerstandskämpfer oft als Verräter sehen.

Am Denkmal sind Namen von 78 Opfern eingemeißelt. Am gesamten Friedhof sind 120 Partisanen und 34 Opfer des Naziregimes begraben. Vor dem Denkmal ist eine Relieftafel zu Ehren des Partisanenkommandanten Franc Pasterk Lenart angebracht.