Gewerkschaftsspuren in der Glasfabrik Schneegattern

Herr Anton Hauser, Besitzer der Glashütte von Schöneben bei Liebenau eröffnete im Jahre 1789 die erste Glashütte. Diese befand sich im heute als „Alte Hütte“ benannten Ortsteil und wurde 1848 von Wenzl Stimpfl, dem Besitzer der Glashütte Freudenthal (bei Frankenmarkt) gekauft. 1874 fand die Übersiedlung in den südlichen Teil von Schneegattern statt. Anfang des 20. Jhdt. erreichte die Glashütte mit rund 900 Arbeitern die absolut größte Beschäftigungszahl und wurde 1924, am Höhepunkt der Inflation, stillgelegt. Erst 1926 konnte über staatliche Aktivitäten die Glashütte wieder in Betrieb genommen werden. [1]

ÖNB-AKON – Schneegattern 1936 [2]

Der erste Artikel ist der Versuch einer Sammlung und Recherche von Gewerkschafts- und Funktionärsdaten aus den Zeitungen, die im AustriaN Newspaper Online (ANNO) [3] einsehbar ist.

Mein Vater hat das Gewerkschaftszeichen unter dem Leiberl getragen.“ (Tochter von Gewerkschafsmitbegründer *1930) (S.H.)
„Du bist bei uns in keine Glashütte, bei uns in den Betrieb nicht reingekommen, bevor du nicht unterschrieben hast, dass du bei der Gewerkschaft und bei der Partei bist.“ (Glasmachermeister *1938) (F.A.)„Die Gewerkschaft war damals fast ein Muss.“ (Glasmacher und Glaspresser *1935) (J.L.)
„Wenn du nicht zur Gewerkschaft gegangen bist, da hast du ausgeschissen, da hast du nicht anfangen brauchen.“ (Glasmachermeister *1939) (E.S.)

Masterarbeit Lisa Maria Eidenhammer [8]

1903
wurden in Schneegattern Gewerkschafts-, SPÖ (SDAP)-, Konsumversammlungen und Beratungen im Wald abgehalten, da öffentliche Zusammenkünfte verboten waren.

1911

In diesem Jahr beschäftigte die Fabrik 2 Beamte, 2 Unterbeamte und 150 Arbeiter. [9]

1921 – Kandidaten zur AK-Wahl in Oberösterreich

Wahlkörper Arbeiter: [7]
12. Stelle – Karl Altmann, Glasarbeiter Schneegattern
Ersatz: Johann Prexl, Glasschleifer Schneegattern

1922

Gründung einer Ortsgruppe des Arbeiter- Abstinenzverein durch den 16jährigen Joseph Buttinger. Er ist auch Jugendvertrauensmann im Betriebsrat der Glasfabrik und Jugendvertreter in der Leitung der Ortsgruppe der Glasarbeitergewerkschaft. [10]

1924 – Versammlung der Glasarbeiter in Schneegattern

Vortrag eines Kammersekretärs über sozialpolitische und volkswirtschaftliche Themen. [5]

1926 – Wahlvorschlag zur Arbeiterkammerwahl in OÖ

Im Wahlvorschlag der Freien Gewerkschaften zur Arbeiterkammerwahl kandidiert für die Sektion Arbeiter an 11. Stelle: Wolf Wenzel (Glasmacher in Schneegattern). Sein Ersatz ist Otto Schwinghammer,

62 Jahre arbeitete Genosse Josef Zalto am Glasofen

Er war Mitglied der Gewerkschaft, der Lokalorganisation und des Konsumvereins seit deren bestehen. Er war der älteste Glasmacher der Glasfabrik Schneegattern.

Beide – Tagblatt den 21. Jänner 1926

1927 Generalversammlung der Glasarbeiter am 4.1. im Arbeiterheim

  • Vorsitzender: Wolf Wenzel
  • Stv.: Wieder Josef
  • Kassier: Kufner Josef
  • Kassier Stv.: Winter Peter
  • Schriftführer: Altmann Viktor
  • Schriftführer Stv.: Witzmann Jakob
  • Revisoren: Fischer Adolf, Prerl Johann
  • Arbeitsvermittler: Ilk Emil
  • Bibliothekar: Kufner Ludwig
  • Ausschüsse: Rodinger Franz, Zalto Karl, Franz Willi, Zalto Anna
Tagblatt am 9. Jänner 1927

1928 – Frauenversammlung

Durchführung einer Frauenversammlung am Donnerstag, den 9. Februar im Vereinsheim. Als Referentin war Genossin Fürlinger aus Braunau eingeladen. [6]

1930 – Neuwahl in der Jugendorganisation

Am 8. Jänner hielt die Jugendorganisation ihre zehnte Generalversammlung ab. Das Hauptreferat hielt Genosse Bechersdorfer aus Linz. Bei der Wahl wurden folgende Genoss*innen gewählt: Eichler Josef, Lochner Karl, Asen Berta, Tomann Marie, Seidl Franz, Seidl Anton, Kuffner Ernst, Jungwirt Josefa, Jungwirt Otto, Tischer Mitzi, Meilinger Resi, Danninger Georg, Zalto Anna, Letter Paul und Zierler Johanna.

Tagblatt, den 18. Jänner 1930, Seite 8

1931 – Betriebsratswahl

Alle Betriebsräte der Glasfabrik gehören den Freien Gewerkschaften an. 99 Prozent der Belegschaft ist in den Freien Gewerkschaften organisiert.

Tagblatt, 28. Jänner 1931

Quellenverzeichnis

  • [1] Gemeinde[2] Bild: http://data.onb.ac.at/AKON/AK067_531
  • [2] Bild: http://data.onb.ac.at/AKON/AK067_531
  • [3] ANNO ist der digitale Zeitungs- und Zeitschriftenlesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek
  • [4] Tagblatt, 14. August 1926
  • [5] Tagblatt 28.11. 1924, Seite 10
  • [6] Tagblatt, den 8. Februar 1928, Seite 10
  • [7] Tagblatt, den 17. März 1921, Seite 6
  • [8] GLASEUM, Lisa Maria EIDENHAMMER, Alltags- und Industriekultur in Schneegattern – Ein Museumskonzept, Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (MA) an der Karl-Franzens-Universität Graz, 2019, Seite 100
  • [9] Geschichtliches über Friedburg-Lengau, Michael Kaltenbrunner, Hrsg. J. Stampfl (Leopold Höglinger), 1928, Seite 109
  • [10] Joseph Buttinger – Ortswechsel, die Geschichte meiner Jugend, Verlag Neue Kritik KG Frankfurt 1979, ISBN 3-8015-0164-7, Seite 91

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