Opfer oder Täter

Bei der Gedenkstätte der Gruppe 40 nutze ich mit den TeilnehmerInnen die Gelegenheit eine Frage zu erörtern: „War Österreich 1938 das erste Opfer der Nazis oder waren wir auch Täter?“

Dazu habe ich ihm Artikel „Mein Gott, was war mit uns los?“ von Frank Bajohr in der Zeit vom 25.1.2019 einen Einleitungstext gefunden. Im Artikel geht es um die erstmalige Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ 1979 in Sendern der ARD und der anschließenden öffentlichen Diskussion und Aufarbeitung der Greueltaten der Nazis vor und während des 2. Weltkriegs an der jüdischen Bevölkerung. Im Artikel wird Henri Nannen, der damalige stern-Herausgeber zitiert:

Wer Soldat im Osten war, schrieb er, dem konnten die Judenerschießungen, die Massengräber und beim Rückzug die ausgebuddelten und verbrannten Leichenberge nicht verborgen bleiben. Ich jedenfalls, ich habe gewußt, dass im Namen Deutschlands wehrlose Menschen vernichtet wurden, wie man Ungeziefer vernichtet. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Offiziers der deutschen Luftwaffe getragen. Deshalb seien die Morde auch eine Sache aller Deutschen meiner Generation, denn schließlich haben Hitler, Himmler und Heydrich das blutige Geschäft nicht mit eigenen Händen bewerkstelligt, und sie hätten es auch mit ihren Einsatzgruppen nicht besorgen können – ohne uns, ohne Sie und mich.

 

Entwicklung eines Frauenpolitischen Rundgangs

Für den 8. März 2019 planen wir einen „Frauenpolitischen Rundgang zur Arbeiterinnengeschichte“ am Zentralfriedhof anlässlich des Weltfrauentages. Als Stationen haben wir vorgesehen:

  • Denkmal 1848 (erste Frauendemo und Praterschlacht, erster bürgerlicher Frauenverein)
  • Gruppe 40 (Apollonia Binder, Johanna Cupal, Diskussion zur Opfertheorie)
  • Juli 1927 (das Schicksal von Anna Bolzer)
  • Margarethe Schütte-Lihotzky
  • Rosa Jochmann
  • Hertha Firnberg
  • Johanna Dohnal
  • Barbara Prammer

Für die einzelnen Stationen haben wir erste Entwürfe gestaltet.  Weiterlesen

Rund um Zwettl in der Nazizeit

Anläßlich des Besuchs mit FreundInnen in der näheren Umgebung von Zwettl, habe ich mich mit den Geschehnissen in dieser Gegend während der  Nazizeit beschäftigt. Bei meiner Recherche verwendete ich die Bände 2 und 3 „Widerstand und Verfolgung in Niederösterreich“. Herausgeber ist das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands.  Weiterlesen

Victor Adler – Hofrat der Revolution

Mit dieser Überschrift beschreibt Wolfgang Maderthaner in der Zeit den Werdegangs Adlers vom Armenarzt zum SPÖ-Parteigründer und zu einem der wichtigsten Baumeister der Ersten Republik.

Robert Misik schildert in seinem Blog den Kampf Victor Adlers für das allgemeine Wahlrecht.

Zum ersten Mal spreche ich zu Ihnen nicht mehr als zu Rechtlosen, sondern zu Wählern!“

Er kämpfte mit den GenossInnen der aufstrebenden ArbeiterInnenbewegung für das Recht zu Wählen. 1907  wurde das direkte, allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht eingeführt – aber NUR für Männer! 1918 das allgemeine Wahlrecht für ALLE.

Anita Winkler schreibt in Welt und Welten der Habsburger zu Victor Adler – Das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft teilte Victor Adler mit dem Chefideologen der Arbeiterbewegung Karl Marx. Doch der Weg sollte unterschiedlich beschritten werden.

Politik_Aktuell_2-2018_Die_Gruendung_der_Republik_1918

Schwechater Gendarmen streckten 1934 Rudolf Spirik mit Dum-Dum Geschossen nieder

Rudolf Spirik wird beim Bau einer Barrikade auf der Wiener Strasse in Schwechat ohne Vorwarnung durch ein verbotenes Dum-Dum-Geschoß des Gendarmen Karl Kling erschossen. Die Schwechater Gendarmen sagten nachher, dass sie die verbotenen Geschosse „irrtümlich“ von einer Übung noch in den Gewehren hatten. Die Wucht des Geschosses reißt dem Schutzbündler Rudolf Spirik fast den ganzen Kopf weg. Erst nach diesen brutalen und feigen Angriff wehren sich die anderen Schutzbündler, Rudolf Spirik hinterlässt eine Frau mit vier Kindern.

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Freiheitskämpferin Tjede Peckes bei der Schlacht am Wremer Tief

Am 23.12.1517 fand zwischen den Truppen des Bremer Erzbischofs Christoph von Braunschweig und der Bevölkerung des Wurster Landes statt. Die Wremer verloren ihre Selbstständigkeit gegen die Übermacht des kirchlichen Würdenträgers. Auf Seiten der Wremer kämpften auch Frauen beispielgebend die Freiheitskämpferin Tjede Peckes aus Paddingbüttel.

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Bent Faurschou-Hviid

Er war ein dänischer Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg, der unter dem Decknamen Flamme arbeitete. Er war Mitglied der Gruppe Holger Danske und operierte gemeinsam mit seinem Freund Jørgen Haagen Schmith, genannt Citronen.

Aufnahme 2014 Brigitte Drizhal

Wir entdeckten bereits 2014 bei einer Radtour an der dänischen Küsten diesen Gedenkstein zu Erinnerung an den dänischen Widerstandskämpfer (N56°00.691′ – E12°00.916′).

Bent Faurschou Hviid stammte von Nord-Seeland, wo seine Familie ein Hotel besaß. Als er sich in den 1930er Jahren für seine Ausbildung in Deutschland aufhielt, lernte er nicht nur die Verhältnisse in Nazi-Deutschland, sondern auch eine Gruppe von Antifaschisten kennen, was ihn zu einem Gegner von Hitler und der Nazi-Ideologie werden ließ. 1943 schloss er sich einer Widerstandsgruppe in Holbæk an, die Flugblätter herstellte und Sabotage beging.(1)

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Die Frauen Wiens in der bürgerlichen Revolution 1848

Wer kennt Karoline Perin, Frau Wertheimstein, Frau Bouvard, Frau Fenner oder die Arbeiterinnen, die bei der Praterschlacht 1848 durch die blanken Säbel der berittenen Polizei in einem Blutbad ihr Leben verloren? Nur wenige Tage danach wurde der Wiener demokratische Frauenverein gegründet.

Im Falter vom 14.3. 2018 interviewt Stefanie Panzenböck die Historikern Gabriella Hauch, die sich mit 1848 besonders beschäftigt. Zu Karoline Perin  berichte die Historikerin im Falter:

Karoline von Perin, eine verwitwete Adelige, war Vorsitzende des Wiener demokratischen Frauenvereins, den sie im August 1848 gegründet hatte. Zudem erregte sie großes Aufsehen, weil sie in wilder Ehe mit Alfred Julius Becher lebte. Das war der Klavierlehrer einer ihrer Töchter aus erster Ehe und Herausgeber eines der wichtigsten revolutionär-demokratischen Blätter, Der Radikale.

Auch damals kämpften die Frauen für Gleichberechtigung. Sie wurden karikiert und beschimpft. 170 Jahre später erleben wir in manchen Boulevardblättern nach wie vor die selben diskriminierenden „Schreiberlinge“. (Anm. des Autors)

Gabriella Hauch berichtete in diesem Artikel – Perin und ihr Mann Becher wurden verhaftet. Becher wurde hingerichtet, und es wurde ihm verwehrt, Perin vor seinem Tod noch einmal zu sehen. Das war schon eine besonders grausame Strafe. Andere durften sich sehen. Perin verlor die Vormundschaft für ihren Sohn und reiste nach München aus. Später kehrte sie nach Österreich zurück und wurde eine der ersten Fotografinnen Österreichs.

 

2018 – Hadersdorf – die endlose Geschichte

Hadersdorf entwickelt sich immer mehr zur endlosen Geschichte. Interventionen der Volksanwaltschaft, aber auch der Mandatarinnen der ÖVP bis hin zur Landeshauptfrau Mikl-Leitner zeigen keine Wirkung. Die Bürgermeisterin ist nach wie vor nicht gesprächsbereit und lässt den KZ Verbänden Niederösterreich und Wien per Schreiben ausrichten, dass sie nur in Beisein ihres Anwaltes mit ihnen sprechen würde.

Mehr dazu im neuen Mahnruf und in unserem Hadersdorfartikel

Käthe Sasso hat sich jahrelang für die Erhaltung und Würdigung der Gräber der Gruppe 40 eingesetzt.

In der Online-Ausgabe „die standard“ schreibt steht zur Gedenkstätte für Gruppe 40 am Zentralfriedhof: Aktueller Anlass für den Film war die Errichtung einer Gedenkstätte am Areal der Gruppe 40 im Wiener Zentralfriedhof an jener Stelle, wo die Hingerichteten verscharrt wurden. Sasso hatte sich jahrelang für die Erhaltung und Würdigung der Gräber der Gruppe 40 eingesetzt. Käthe Sasso erwiderte, das Lob gebühre nicht ihr allein, sondern all jenen Frauen und Männern, die im Widerstand gegen die Nazis für ein freies und demokratisches Österreich ihr Leben gegeben haben. Sie bedankte sich dafür, dass die Gruppe 40 am Zentralfriedhof nun zur nationalen Gedenkstätte erklärt wurde und damit auch in Zukunft in Würde erhalten bleibt. –

Auf Einladung der AK Steiermark sprach Käthe Sasso über ihr Leben. Sie wurde mit 15 von einem Spitzel verraten und eingesperrt. In einer Diskussione mit Schülern und Schülerinnen erzählt sie von den Gräuel des NS Regims.